Psoriasis-Arthritis verstehen


Was ist Psoriasis-Arthritis?

Die Psoriasis-Arthritis (auch Schuppenflechte-Arthritis oder Arthritis psoriatica genannt) ist eine entzündliche Gelenkerkrankung, die häufig, aber nicht zwingend bei Menschen mit Psoriasis (Schuppenflechte) auftritt. Beide Erkrankungen sind chronisch, gehen also nicht mehr weg, und verlaufen in sogenannten Schüben. Mit der richtigen Behandlung können lange Ruhepausen mit geringen Beschwerden bis hin zum vollständigen Verschwinden der Symptome erreicht werden, bis die Beschwerden plötzlich wieder aufflammen.1 Es ist besonders wichtig, die Psoriasis-Arthritis frühzeitig zu erkennen, da sie unbehandelt schon in den ersten ein bis zwei Jahren zu bleibenden Gelenkschäden führen kann.2

Fakten und Zahlen zu Psoriasis-Arthritis
  • Bis zu 220.000 Menschen in Deutschland leben mit einer Psoriasis-Arthritis Diagnose.3
  • Jede:r dritte Patient:in, der/die an Psoriasis leidet, erkrankt zusätzlich an einer Psoriasis-Arthritis.4
  • In drei von vier Fällen erkrankt zuerst die Haut, später kommen Gelenkentzündungen hinzu.14
  • Meistens beginnt die Erkrankung im Alter von 30 bis 50 Jahren.1
  • Männer und Frauen erkranken ungefähr gleich häufig.1
  • Bei fast 50 % der Betroffenen treten Schäden an den Knochen bereits nach 2 Jahren auf – weshalb Früherkennung sehr wichtig ist.2

Unterscheidung Psoriasis-Arthritis und rheumatoide Arthritis

Die vielfältigen Symptome einer Psoriasis-Arthritis können denen einer rheumatoiden Arthritis sehr ähnlich sein. Die Rheumatologin oder der Rheumatologe wird sich ein Gesamtbild aus verschiedenen Untersuchungen machen, um die Erkrankungen voneinander abzugrenzen. Im Vergleich zur rheumatoiden Arthritis sind bei der Psoriasis-Arthritis eher die Gelenke einer Körperseite betroffen (asymmetrisches Befallsmuster). Eine Entzündung der Fingerendgelenke (Wurstfinger) ist ebenfalls häufig.1 Auch die Messung verschiedener Laborwerte im Blut hilft dabei, die Psoriasis-Arthritis von anderen rheumatischen Erkrankungen zu unterscheiden.1

Was sind typische Anzeichen und Symptome der Psoriasis-Arthritis?

Die Psoriasis-Arthritis kann in vielen verschiedenen Ausprägungen auftreten. Je nachdem wie viele und welche Gelenke betroffen sind, ob Haut und Nägel in Mitleidenschaft gezogen wurden, und wie aktiv die Erkrankung gerade ist, kann es zu verschiedenen Symptomen und Beschwerden kommen.

Mögliche Symptome der Psoriasis-Arthritis:15

Gelenke

Durch die Entzündung schmerzen die betroffenen Gelenke, sind geschwollen oder in der Bewegung eingeschränkt. Häufig sind die kleinen Gelenke der Finger und Zehen betroffen.

Finger oder Zehen

Typisch ist auch das Anschwellen eines gesamten Fingers oder Zehs. Dies wird auch als Wurstfinger oder Wurstzehe (Daktylitis) bezeichnet.

Morgensteifigkeit

Besonders nach längeren Ruhephasen, insbesondere nach dem Aufstehen, ist die Beweglichkeit der Gelenke eingeschränkt. Dies bezeichnet man auch als „Morgensteifigkeit“.

Wirbelsäule

Entzündungen der Wirbelsäule können zu Schmerzen im Nacken oder unteren Rücken führen. Dieser kann auch in angrenzende Bereiche, z. B. das Becken ausstrahlen.

Entzündete Sehnen

Auch die Sehnenscheiden und ihre Ansätze am Knochen können entzündet sein (Enthesitis). Häufig ist die Achillessehne betroffen, was mit starken Schmerzen verbunden ist.

Hautveränderung

Rötungen und Schuppen treten häufig am behaarten Kopf sowie an den Ellenbogen und Knien auf und sind mit starkem Juckreiz verbunden.

Müdigkeit

Starke Müdigkeit und Erschöpfung können ebenfalls Anzeichen der Psoriasis-Arthritis sein.

Nagelveränderung

Häufig kommt es auch zu Veränderungen der Finger- und Fußnägel.

Entzündete Augen

Bei einigen Betroffenen sind die Augen rot und entzündet.

Diagnose

Warum ist die Früherkennung der Psoriasis-Arthrits so wichtig?

Eine möglichst frühe Diagnose und Behandlung der Psoriasis-Arthritis ist entscheidend, um die Funktionsfähigkeit der Gelenke zu erhalten. Nur wenn die Entzündung in den Gelenken gestoppt wird, kann auch die Zerstörung der Gelenke aufgehalten und bei früher Behandlung von Anfang an verhindert werden.1

Da das Erscheinungsbild der Psoriasis-Arthritis sehr unterschiedlich ist und sich die Symptome teilweise mit denen anderer rheumatischer Erkrankungen überschneiden, kann es in manchen Fällen schwer sein, die Psoriasis-Arthritis zu erkennen. Bei Menschen, die bereits von einer Schuppenflechte betroffen sind, sollte bei plötzlichen Gelenkschmerzen auf jeden Fall an eine Psoriasis-Arthritis gedacht werden. Denn im Laufe ihres Lebens erkrankt jede:r dritte Patient:in, der/die an Psoriasis leidet, zusätzlich an einer Psoriasis-Arthritis.14

Haben Menschen mit Psoriasis-Arthritis Anspruch auf Unterstützung?

Patientinnen und Patienten mit Psoriasis-Arthritis haben die Möglichkeit, bestimmte Unterstützungsmöglichkeiten in Anspruch zu nehmen. Zusätzlich gibt es verschiedene Organisationen und Programme, die Ihnen helfen, mit Ihrer Erkrankung zu leben. Wichtige Informationen und Anlaufstellen zu Ihren Patient:innenrechten haben wir hier für Sie zusammengestellt.

Grad der Behinderung (GdB) beantragen – Vorteile nutzen

Sich mit der Frage nach einer möglichen Behinderung auseinanderzusetzen, mag zunächst abschreckend sein, denn das Wort „behindert“ wird immer noch negativ empfunden und niemand möchte sich gerne so bezeichnen. Trotzdem ist es hilfreich, sich mit diesem Thema zu befassen – vor allem wenn Ihr Leben durch die Psoriasis-Arthritis maßgeblich eingeschränkt ist, können Sie durch die Anerkennung eines Behindertengrades von bestimmten Nachteilsausgleichen profitieren.6

Wen spreche ich an?

Versorgungsämter überprüfen, ob Ihre Psoriasis-Arthritis als Behinderung anerkannt wird. Sie sind für die Feststellung des Grades der Behinderung (GdB) und die Ausstellung eines Schwerbehindertenausweises verantwortlich. Das für Sie zuständige Amt finden Sie hier. Da die Versorgungsämter in der Regel nach Aktenlage und nicht nach persönlicher Begutachtung entscheiden, ist es wichtig, im Antrag vollständige und ausführliche Angaben zu machen. Aktuelle Gutachten und Berichte Ihrer fach- oder hausärztlichen Behandlung müssen beigefügt werden.

Je nach Höhe des GdB haben Sie verschiedene Ansprüche zum Nachteilsausgleich. Ab einem GdB von 25 können z. B. Steuerfreibeträge geltend gemacht werden. Ab einem GdB von 50 gelten Sie als schwerbehindert. Mit einem Schwerbehindertenausweis können Sie von diversen Vorteilen profitieren:78

  • Besonderer Kündigungsschutz
  • Zusätzliche Urlaubstage
  • Vorgezogene Altersrente
  • Besondere Arbeitsplatzausstattung (z. B. Bezuschussung eines ergonomischen Bürostuhls)

Erwerbsminderungsrente beantragen - bei Arbeitsunfähigkeit

In einigen Fällen hat die Psoriasis-Arthritis auch Auswirkungen auf das Berufsleben. Vor allem Beschwerden in den großen Gelenken oder der Wirbelsäule können zu erheblichen Einschränkungen bis hin zur Arbeitsunfähigkeit führen. Es ist wichtig, dass Sie offen mit Ihrer Arbeitgeberin oder Ihrem Arbeitgeber sprechen – nur so können Sie gemeinsam Ihre Arbeitssituation anpassen. Je nach Beschwerden kann es schon ausreichend sein, die Arbeitszeiten stundenweise zu reduzieren. In anderen Fällen können Sie Ihren aktuellen Job vielleicht nicht mehr ausüben, sind aber für eine andere Position geeignet. Wenn Sie irgendwann den Punkt erreichen, an dem Arbeiten unmöglich wird, kann die sogenannte Erwerbsminderungsrente beantragt werden, um finanzielle Einbußen auszugleichen.8

Dame schaut optimisch nach vorn
Wen spreche ich an?

Wenn Sie Erwerbsminderungsrente beantragen möchten, können Sie die kostenfreie Beratung der Deutschen Rentenversicherung nutzen. Hier erhalten Sie Unterstützung bei der Erfassung Ihrer persönlichen Situation und der Antragstellung.

Um einen Antrag auf Erwerbsminderungsrente stellen zu können, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Ein wichtiger Punkt ist der Grundsatz „Rehabilitation vor Rente“, das heißt, Betroffene müssen vor Antragstellung alle Rehabilitationsmaßnahmen ausschöpfen. Erst wenn Ihre volle Erwerbsfähigkeit nicht wiederherstellbar ist, können Sie eine Erwerbsminderungsrente beantragen.8

Teilweise oder volle Erwerbsminderung?

Je nachdem wie stark Ihre Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt ist – sprich, wie lange Sie täglich einen Beruf ausüben können – haben Sie Anspruch auf teilweise oder volle Erwerbsminderungsrente.8

  • Teilweise Erwerbsminderung: Sie können täglich noch zwischen 3 und 6 Stunden arbeiten.8
  • Volle Erwerbsunfähigkeit: Sie können weniger als 3 Stunden täglich arbeiten.8

Die Ermittlung einer etwaigen Erwerbsminderung erfolgt anhand einer Reihe unterschiedlicher Faktoren, die im Einzelfall aufgrund der vorgelegten Unterlagen beurteilt werden müssen.

Der erlernte Beruf spielt seit 2001 keine Rolle mehr!

Seit der Rentenreform 2001 ist der ausgeübte Beruf bei der Erwerbsminderungsrente nicht mehr geschützt. Können Sie z. B. in Ihrem Beruf als Krankenpfleger:in überhaupt nicht mehr arbeiten, dafür aber noch 6 Stunden einer Bürotätigkeit nachgehen, besteht kein Anspruch auf Erwerbsminderungsrente.9

Zuzahlungsbefreiung beantragen – aufgrund Chronikerregelung

Bei der Behandlung von Menschen mit chronischen Erkrankungen ist in der Regel eine intensive Betreuung durch verschiedene Ärztinnen und Ärzte sowie Personen aus anderen Heilberufen notwendig. Dies ist auch mit erhöhten Kosten verbunden. Um Patientinnen und Patienten mit schwerwiegenden chronischen Erkrankungen bei Zuzahlungen in der gesetzlichen Krankenkasse zu entlasten, gibt es die sogenannte Chronikerregelung:1011

Für Versicherte mit schweren chronischen Erkrankungen gilt eine niedrigere Belastungsgrenze – sie müssen Zuzahlungen nur bis zu einer Belastungsgrenze von 1 % des jährlichen Bruttoeinkommens leisten. Normalerweise liegt die Belastungsgrenze für alle Versicherten bei 2 %.10

Wer gilt als schwerwiegend chronisch krank?

Nach den Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschuss ist das Vorliegen einer schwerwiegenden chronischen Erkrankung an folgende Kriterien gebunden:11

  • Mindestens ein ärztlicher Besuch pro Quartal wegen derselben Krankheit über mindestens ein Jahr UND
  • Pflegebedürftigkeit des Grades 3, 4 oder 5 ODER
  • Grad der Behinderung / Minderung der Erwerbsfähigkeit um 60 % ODER
  • Notwendigkeit einer kontinuierlichen medizinischen Versorgung, ohne die eine Verschlimmerung der Erkrankung, eine Verminderung der Lebenserwartung oder eine dauerhafte Beeinträchtigung der Lebensqualität durch die von der Krankheit verursachte Gesundheitsstörung zu erwarten ist

Sprechen Sie Ihren Arzt darauf an.

Anlaufstelle für Fragen

Unabhängige Patientenberatung Deutschland

Bei weiteren gesundheitsbezogenen und vor allem auch gesundheitsrechtlichen Fragen können Sie sich an die Stiftung Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) wenden. Diese Anlaufstelle bietet allen Menschen eine kostenfreie und unabhängige Beratung, z. B. wenn die Krankenkasse einen Antrag abgelehnt hat oder Sie Fragen zum Krankengeld haben.

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Redaktions- & Quellinformationen

Dieser Text entspricht den redaktionellen Standards der J&J withMe und wurde von Dr. med. Julia Pfundt, einem Mitglied unserer medizinischen Redaktionskonferenz, geprüft. Lernen Sie hier die Mitglieder unserer medizinischen Redaktionskonferenz kennen.

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