
Die Psoriasis-Arthritis (auch Schuppenflechte-Arthritis oder Arthritis psoriatica genannt) ist eine entzündliche Gelenkerkrankung, die häufig, aber nicht zwingend bei Menschen mit Psoriasis (Schuppenflechte) auftritt. Beide Erkrankungen sind chronisch, gehen also nicht mehr weg, und verlaufen in sogenannten Schüben. Mit der richtigen Behandlung können lange Ruhepausen mit geringen Beschwerden bis hin zum vollständigen Verschwinden der Symptome erreicht werden, bis die Beschwerden plötzlich wieder aufflammen.1 Es ist besonders wichtig, die Psoriasis-Arthritis frühzeitig zu erkennen, da sie unbehandelt schon in den ersten ein bis zwei Jahren zu bleibenden Gelenkschäden führen kann.2
Die vielfältigen Symptome einer Psoriasis-Arthritis können denen einer rheumatoiden Arthritis sehr ähnlich sein. Die Rheumatologin oder der Rheumatologe wird sich ein Gesamtbild aus verschiedenen Untersuchungen machen, um die Erkrankungen voneinander abzugrenzen. Im Vergleich zur rheumatoiden Arthritis sind bei der Psoriasis-Arthritis eher die Gelenke einer Körperseite betroffen (asymmetrisches Befallsmuster). Eine Entzündung der Fingerendgelenke (Wurstfinger) ist ebenfalls häufig.1 Auch die Messung verschiedener Laborwerte im Blut hilft dabei, die Psoriasis-Arthritis von anderen rheumatischen Erkrankungen zu unterscheiden.1
Die Psoriasis-Arthritis kann in vielen verschiedenen Ausprägungen auftreten. Je nachdem wie viele und welche Gelenke betroffen sind, ob Haut und Nägel in Mitleidenschaft gezogen wurden, und wie aktiv die Erkrankung gerade ist, kann es zu verschiedenen Symptomen und Beschwerden kommen.
Mögliche Symptome der Psoriasis-Arthritis:15
Durch die Entzündung schmerzen die betroffenen Gelenke, sind geschwollen oder in der Bewegung eingeschränkt. Häufig sind die kleinen Gelenke der Finger und Zehen betroffen.
Typisch ist auch das Anschwellen eines gesamten Fingers oder Zehs. Dies wird auch als Wurstfinger oder Wurstzehe (Daktylitis) bezeichnet.
Besonders nach längeren Ruhephasen, insbesondere nach dem Aufstehen, ist die Beweglichkeit der Gelenke eingeschränkt. Dies bezeichnet man auch als „Morgensteifigkeit“.
Entzündungen der Wirbelsäule können zu Schmerzen im Nacken oder unteren Rücken führen. Dieser kann auch in angrenzende Bereiche, z. B. das Becken ausstrahlen.
Auch die Sehnenscheiden und ihre Ansätze am Knochen können entzündet sein (Enthesitis). Häufig ist die Achillessehne betroffen, was mit starken Schmerzen verbunden ist.
Rötungen und Schuppen treten häufig am behaarten Kopf sowie an den Ellenbogen und Knien auf und sind mit starkem Juckreiz verbunden.
Starke Müdigkeit und Erschöpfung können ebenfalls Anzeichen der Psoriasis-Arthritis sein.
Häufig kommt es auch zu Veränderungen der Finger- und Fußnägel.
Bei einigen Betroffenen sind die Augen rot und entzündet.
Eine möglichst frühe Diagnose und Behandlung der Psoriasis-Arthritis ist entscheidend, um die Funktionsfähigkeit der Gelenke zu erhalten. Nur wenn die Entzündung in den Gelenken gestoppt wird, kann auch die Zerstörung der Gelenke aufgehalten und bei früher Behandlung von Anfang an verhindert werden.1
Da das Erscheinungsbild der Psoriasis-Arthritis sehr unterschiedlich ist und sich die Symptome teilweise mit denen anderer rheumatischer Erkrankungen überschneiden, kann es in manchen Fällen schwer sein, die Psoriasis-Arthritis zu erkennen. Bei Menschen, die bereits von einer Schuppenflechte betroffen sind, sollte bei plötzlichen Gelenkschmerzen auf jeden Fall an eine Psoriasis-Arthritis gedacht werden. Denn im Laufe ihres Lebens erkrankt jede:r dritte Patient:in, der/die an Psoriasis leidet, zusätzlich an einer Psoriasis-Arthritis.14
Patientinnen und Patienten mit Psoriasis-Arthritis haben die Möglichkeit, bestimmte Unterstützungsmöglichkeiten in Anspruch zu nehmen. Zusätzlich gibt es verschiedene Organisationen und Programme, die Ihnen helfen, mit Ihrer Erkrankung zu leben. Wichtige Informationen und Anlaufstellen zu Ihren Patient:innenrechten haben wir hier für Sie zusammengestellt.
Sich mit der Frage nach einer möglichen Behinderung auseinanderzusetzen, mag zunächst abschreckend sein, denn das Wort „behindert“ wird immer noch negativ empfunden und niemand möchte sich gerne so bezeichnen. Trotzdem ist es hilfreich, sich mit diesem Thema zu befassen – vor allem wenn Ihr Leben durch die Psoriasis-Arthritis maßgeblich eingeschränkt ist, können Sie durch die Anerkennung eines Behindertengrades von bestimmten Nachteilsausgleichen profitieren.6
Je nach Höhe des GdB haben Sie verschiedene Ansprüche zum Nachteilsausgleich. Ab einem GdB von 25 können z. B. Steuerfreibeträge geltend gemacht werden. Ab einem GdB von 50 gelten Sie als schwerbehindert. Mit einem Schwerbehindertenausweis können Sie von diversen Vorteilen profitieren:78
In einigen Fällen hat die Psoriasis-Arthritis auch Auswirkungen auf das Berufsleben. Vor allem Beschwerden in den großen Gelenken oder der Wirbelsäule können zu erheblichen Einschränkungen bis hin zur Arbeitsunfähigkeit führen. Es ist wichtig, dass Sie offen mit Ihrer Arbeitgeberin oder Ihrem Arbeitgeber sprechen – nur so können Sie gemeinsam Ihre Arbeitssituation anpassen. Je nach Beschwerden kann es schon ausreichend sein, die Arbeitszeiten stundenweise zu reduzieren. In anderen Fällen können Sie Ihren aktuellen Job vielleicht nicht mehr ausüben, sind aber für eine andere Position geeignet. Wenn Sie irgendwann den Punkt erreichen, an dem Arbeiten unmöglich wird, kann die sogenannte Erwerbsminderungsrente beantragt werden, um finanzielle Einbußen auszugleichen.8
Um einen Antrag auf Erwerbsminderungsrente stellen zu können, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Ein wichtiger Punkt ist der Grundsatz „Rehabilitation vor Rente“, das heißt, Betroffene müssen vor Antragstellung alle Rehabilitationsmaßnahmen ausschöpfen. Erst wenn Ihre volle Erwerbsfähigkeit nicht wiederherstellbar ist, können Sie eine Erwerbsminderungsrente beantragen.8
Teilweise oder volle Erwerbsminderung?
Je nachdem wie stark Ihre Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt ist – sprich, wie lange Sie täglich einen Beruf ausüben können – haben Sie Anspruch auf teilweise oder volle Erwerbsminderungsrente.8
Die Ermittlung einer etwaigen Erwerbsminderung erfolgt anhand einer Reihe unterschiedlicher Faktoren, die im Einzelfall aufgrund der vorgelegten Unterlagen beurteilt werden müssen.
Seit der Rentenreform 2001 ist der ausgeübte Beruf bei der Erwerbsminderungsrente nicht mehr geschützt. Können Sie z. B. in Ihrem Beruf als Krankenpfleger:in überhaupt nicht mehr arbeiten, dafür aber noch 6 Stunden einer Bürotätigkeit nachgehen, besteht kein Anspruch auf Erwerbsminderungsrente.9
Bei der Behandlung von Menschen mit chronischen Erkrankungen ist in der Regel eine intensive Betreuung durch verschiedene Ärztinnen und Ärzte sowie Personen aus anderen Heilberufen notwendig. Dies ist auch mit erhöhten Kosten verbunden. Um Patientinnen und Patienten mit schwerwiegenden chronischen Erkrankungen bei Zuzahlungen in der gesetzlichen Krankenkasse zu entlasten, gibt es die sogenannte Chronikerregelung:1011
Für Versicherte mit schweren chronischen Erkrankungen gilt eine niedrigere Belastungsgrenze – sie müssen Zuzahlungen nur bis zu einer Belastungsgrenze von 1 % des jährlichen Bruttoeinkommens leisten. Normalerweise liegt die Belastungsgrenze für alle Versicherten bei 2 %.10
Nach den Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschuss ist das Vorliegen einer schwerwiegenden chronischen Erkrankung an folgende Kriterien gebunden:11
Sprechen Sie Ihren Arzt darauf an.
Unabhängige Patientenberatung Deutschland
Bei weiteren gesundheitsbezogenen und vor allem auch gesundheitsrechtlichen Fragen können Sie sich an die Stiftung Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) wenden. Diese Anlaufstelle bietet allen Menschen eine kostenfreie und unabhängige Beratung, z. B. wenn die Krankenkasse einen Antrag abgelehnt hat oder Sie Fragen zum Krankengeld haben.
Chronische, nicht ansteckende Psoriasis betrifft 2–3 % der Weltbevölkerung. Erhalten Sie hier Informationen zu Ursachen, Therapien, Ernährung, Stress und Lebensstil.
Mit chronischer Gelenkentzündung bei Psoriasis sind circa 200 000 Deutsche betroffen. Finden Sie hier Informationen zu Behandlung, Ernährung, Sport und Umgang mit Stress.
Dieser Text entspricht den redaktionellen Standards der J&J withMe und wurde von Dr. med. Julia Pfundt, einem Mitglied unserer medizinischen Redaktionskonferenz, geprüft. Lernen Sie hier die Mitglieder unserer medizinischen Redaktionskonferenz kennen.
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