Anlaufstellen - Hilfe in akuten Krisen

Schnelle Hilfe im Notfall

Je nach individuellem Bedarf stehen in Deutschland verschiede Angebote zur Verfügung, bei denen sich Betroffene mit Depression oder Angehörige schnell und ohne große Hürden 24/7 Unterstützung holen können. Für viele ist es dennoch ein großer Schritt, sich mit ihren Problemen an fremde Menschen zu wenden.

Auf die Frage:
„Wann sollte ich Hilfe suchen?“
gibt es eine einfache Antwort:
„Wenn Du überlegst, ob Du Dir Hilfe suchen solltest!“

Bei unmittelbarer Gefahr

  • Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117
  • Notruf 112 (Rettungsdienst) oder 110 (Polizei)

Krisendienst

(telefonische Beratung, ambulante Krisenhilfe, mobile Einsätze, Vermittlung in stationäre Behandlung)

  • Internet-Suche: „Krisendienst“ + „Wohnort“ (z. B. Krisendienst Berlin)

Telefonseelsorge

Hilfe bei einer Depression – Erste Schritte

Ein erster Schritt auf dem Weg zur Besserung kann ein Anruf bei der Telefonseelsorge sein: 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222. Sie ist rund um die Uhr besetzt, anonym und unverbindlich. Die Telefonseelsorge kann eine Depression nicht behandeln, aber sie bietet schnelle Hilfe in akuten Phasen. Außerdem kann die Telefonseelsorge – das Gespräch mit einer Person, die sich mit dem Thema Depression auskennt – auf ganz andere Weise beratend und unterstützend wirken als eine Website. Durch diesen ersten Schritt kann etwas ins Rollen kommen und ein Besuch bei der Ärztin oder dem Arzt schneller gelingen.

Hausärztinnen und Hausärzte können ebenfalls als erste Anlaufstellen dienen. Sie kennen ihre Patient:innen in der Regel schon sehr lange und können Stimmungsveränderungen gut beurteilen. Sie können eine Depression diagnostizieren und auch Psychopharmaka verschreiben.

Insbesondere bei schwereren Verläufen werden Hausärztinnen und Hausärzte die Betroffenen aber an eine:n Expert:in, also eine:n Psychiater:in überweisen. Wenn Sie es bevorzugen, Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt nicht von Ihren Beschwerden wissen zu lassen, können Sie sich in der Regel auch direkt an eine:n Psychiater:in wenden.1

Regionale Hilfe vor Ort bietet der Sozialpsychiatrische Dienst. Die für Sie zuständige Stelle finden Sie verlässlich über eine Suche in Kombination mit ihrem Wohnort. Hier können sie bei jeglicher Art von Lebenskrise persönliche Beratung bekommen. Die Gespräche sind vertraulich und unterliegen der Schweigepflicht.2

Für einen Klinikaufenthalt bieten sich verschiedene Möglichkeiten an

Bei weniger schweren Verläufen oder nach einem erfolgreichen stationären Aufenthalt gibt es verschiedene ambulante Lösungen. So ist eine Behandlung im Rahmen einer Tagesklinik oder einer psychiatrischen Institutsambulanz (PIA) möglich. Im Anschluss daran kann gegebenenfalls noch eine Behandlung in ärztlichen und/oder psychotherapeutischen Niederlassungen erfolgen.1

Menschen mit schweren Depressionen, die es kaum noch schaffen, aus dem Bett herauszukommen, brauchen unbedingt ärztliche Hilfe, sind aber oft nicht mehr in der Lage, sich darum zu kümmern. In solchen Fällen sind Angehörige und Freund:innen gefragt: Sie können gemeinsam mit den Betroffenen Termine vereinbaren und dabei helfen, diese auch einzuhalten.

Um den Zugang zu Hilfsangeboten und die Suche nach Anlaufstellen zu vereinfachen und beschleunigen, haben wir viele der wichtigsten Informationen und Unterstützungsangebote für Sie zusammengetragen. Eine umfangreiche Linksammlung finden Sie im Kapitel Nützliche Links.

Gut zu wissen: Die Spezialisten für Psychologie, Psychotherapie und Psychiatrie1

Wer noch nie mit diesen Berufen zu tun hatte, für den sind die ähnlichen Begriffe schnell verwirrend: Alle drei Berufe befassen sich mit der Psyche, also mit unserem Geist und unserer Persönlichkeit, unterscheiden sich jedoch in der Ausbildung des:der Therapeut:in und beschäftigen sich mit teilweise sehr unterschiedlichen Aspekten.

Nach einem Studium der Medizin spezialisieren sich Ärztinnen und Ärzte in einer mehrjährigen fachärztlichen Ausbildung auf einen bestimmten Bereich. Eine dieser Spezialisierungen ist die zur Ärztin beziehungsweise zum Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Nach einer solchen Spezialisierung haben Psychiater:innen ein tiefes Verständnis sowohl für die körperlichen Ursachen psychischer Erkrankungen als auch für ihre psychischen Konsequenzen. Psychiater:innen dürfen Medikamente verschreiben und Psychotherapie anbieten.

Ein abgeschlossenes Studium des Faches Psychologie allein qualifiziert Psycholog:innen noch nicht für die Psychotherapie. Erst eine zusätzliche, mehrjährige Ausbildung befähigt dazu. Anders als Psychiater:innen sind Psycholog:innen keine Ärzt:innen. Sie dürfen deshalb keine Medikamente verordnen oder Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ausstellen. Psychotherapeut:innen sind auf die psychotherapeutische Behandlung von psychischen Störungen spezialisiert. Mehr zur psychotherapeutischen Behandlung findet sich im Kapitel „Behandlung und Therapie“.

Nicht alles was mit Nerven und Gehirn zu tun hat, hat auch Auswirkungen auf unsere Gedanken und Gefühle. Neurolog:innen beschäftigen sich eher mit krankhaften Störungen des Nervensystems. Dazu zählen zum Beispiel Durchblutungsstörungen des Gehirns, Multiple Sklerose oder degenerative Erkrankungen wie Parkinson- oder Alzheimer-Demenz.

Tipp: Vorbereitung und Nachbereitung von Therapiesitzungen – Das Therapie-Journal3

Haben Sie sich für eine Behandlung entschieden, ist es sehr nützlich, sich auf die anstehenden Termine vorzubereiten. Machen Sie sich im Vorfeld Notizen, damit Sie keine wichtigen Punkte und Fragen vergessen. In der „Ausnahmesituation“ bei der Ärztin oder dem Arzt kann schnell mal Nervosität aufkommen.

Für die Psychotherapie ist die Mitarbeit der Betroffenen von großem Vorteil. Es lohnt sich daher, ein Therapie-Journal zu führen. So können wichtige Erkenntnisse gefasst und fixiert werden, um sie nicht sofort wieder aus den Augen zu verlieren. Wie dieses aussehen könnte, bleibt ihnen überlassen. Es spielt keine Rolle, ob es ein Journal im edlen Ledereinband ist, eine lose Zettelsammlung, die Sie gelegentlich zusammenheften oder eine Audio-Datei auf dem Smartphone. Auch der Inhalt hängt von Ihnen ab – es darf sich ruhig alles um Sie drehen. Die eine Person zieht einen frei assoziierten Schreibfluss vor, die andere geht systematischer die Punkte der letzten Sitzung oder des letzten Traumes durch. Probieren Sie es einfach mal aus. Mehr Inspiration und Anleitung finden Sie hier

Selbsthilfegruppen

In Selbsthilfegruppen können sich Betroffene anonym untereinander austauschen. Sie bieten Gelegenheit, wieder aus dem Haus und unter Leute zu kommen. Eine Gruppe in Ihrer Nähe finden sie bei Nakos, der „Nationalen Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen“.

Gut zu wissen – Die Chemie muss stimmen

Psychotherapeut:innen können noch so kompetent sein, wenn er oder sie nicht zu Ihnen passt, kann der Behandlungserfolg darunter leiden. Während einer Psychotherapie sollten Sie dazu in der Lage sein, sich zu öffnen. Sie reden über sehr persönliche Dinge, die Sie womöglich noch nie mit jemanden besprochen haben. Daher müssen Sie Ihrem Gegenüber voll und ganz vertrauen können. Das geht nur mit einer Person, die Ihnen auch sympathisch ist.

Betroffene, die sich bei dem Gedanken an die ersten Termine unwohl fühlen und ängstlich sind, haben in der Regel die Möglichkeit, eine:n Freund:in oder Angehörige:n mitzunehmen. Zumindest bei den ersten Sitzungen kann dieser Rückhalt eine wertvolle Hilfe sein.4

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