Blasenkrebs (Blasenkarzinom, Harnblasenkrebs)

Blasenkrebs ist eine häufige Krebserkrankung vorwiegend älterer Menschen, die deutlich mehr Männer als Frauen betrifft. Im Anfangsstadium verursacht Blasenkrebs oft keine Symptome. Blasenkrebs geht in der Regel von der Blasenschleimhaut aus und für seine Entstehung werden verschiedene Risikofaktoren verantwortlich gemacht.12

Themen im Überblick:

Blasenkrebs – das Wichtigste in Kürze

Blasenkrebs gehört zu den häufigeren Krebsarten. In Deutschland erkranken pro Jahr insgesamt etwa 32.000 Menschen neu an Blasenkrebs. Männer sind dreimal so häufig betroffen wie Frauen. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 74 Jahren (Männer) bzw. 77 Jahren (Frauen).
Die Diagnose des Harnblasenkarzinoms erfolgt bei Frauen häufiger erst in einem höheren Tumorstadium. Dies schlägt sich in einer schlechteren Prognose für Frauen nieder.1

Die meisten Blasenkarzinome werden entdeckt, wenn sie noch nicht in die Muskelschicht eingewachsen sind (Frühstadium). Für eine frühe Diagnose, die die Voraussetzung für eine frühzeitige Behandlung des Blasenkarzinoms ist, ist es daher besonders wichtig, auf mögliche Symptome zu achten und unverzüglich ärztlichen Rat zu suchen. Es existieren keine gesetzlichen Früherkennungsprogramme für Blasenkrebs.123

Blasenkrebs geht überwiegend von der Blasenschleimhaut aus und seine Entstehung wird durch eine Reihe von Risikofaktoren (z. B. Rauchen) begünstigt. Der wichtigste Hinweis auf Blasenkrebs ist Blut im Urin. Zur Bestätigung der Diagnose erfolgen in erster Linie eine Untersuchung des Urins auf Blut- und Krebszellen, eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie) der Blase sowie eine Blasenspiegelung (Zystoskopie) mit Entnahme einer Gewebeprobe (Biopsie) für die feingewebliche (histologische) Untersuchung. Bei Verdacht auf eine weiter fortgeschrittene Erkrankung werden Ihre Ärzt:innen weitere Untersuchungen veranlassen.123

Sowohl die Prognose als auch die Behandlung des Harnblasenkarzinoms hängen von der Ausbreitung (Stadium) und der Aggressivität des Tumors ab. Zur Therapie stehen den Ärzt:innen verschiedene medikamentöse und chirurgische Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Im Frühstadium ist Blasenkrebs meist sehr gut behandelbar und das Ziel der Behandlung ist die Heilung. Hat sich der Tumor schon weit ausgebreitet, dann ist meist keine Heilung mehr möglich und die Behandlung zielt darauf ab, den Patient:innen möglichst lang eine Krankheitskontrolle und Verringerung der Beschwerden bei guter Lebensqualität zu ermöglichen.12345


Auch wenn eine Heilung nicht mehr möglich ist, kann durch eine individuelle, auf den jeweiligen Fall abgestimmte Behandlung eine gute Krankheitskontrolle und Verringerung der Beschwerden erreicht werden – dies auch aufgrund des wissenschaftlichen Fortschritts und der Präzisionsmedizin.345

Entstehung & Risikofaktoren

Wie entsteht Blasenkrebs?

Blasenkrebs geht überwiegend von Gewebe aus, das die Hohlräume von Nierenbecken, Harnleiter, die Harnblase und einen Teil der Harnröhre auskleidet (Urothel). Bösartige Tumore, die aus diesem Gewebe entstehen, gehören daher zu den Urothelkarzinomen. Häufigstes Urothelkarzinom ist der Blasenkrebs.15

Wichtig ist zu wissen, welche Form von Harnblasenkrebs vorliegt, vor allem, ob der Tumor auf das Urothel der Blase begrenzt ist oder bereits in die Muskelschicht hineingewachsen ist. Denn je nach Krebsform unterscheiden sich die Behandlung und der Verlauf der Erkrankung.345

Grafische Darstellung der Anatomie der Harnblase und des Aufbaus der Blasenwand.

Was sind die Ursachen von Blasenkrebs?

Die genauen Ursachen von Blasenkrebs sind unbekannt. Grundsätzlich entsteht Krebs, wenn sich eine gesunde Zelle so verändert, dass sie beginnt, sich stark und unkontrolliert zu vermehren. Dieser Prozess kann durch unterschiedliche Faktoren verursacht werden. Dazu zählen etwa Schäden am Erbgut der Zellen oder Fehler beim Ablesen der Erbinformation.

Mit der Zeit entstehen mehr neue Krebszellen als alte Zellen absterben. Bösartige Zellen wachsen dann zu einer Geschwulst (Tumor) heran. Im Gegensatz zu normalen Zellen können Krebszellen in gesundes Gewebe einwachsen, es zerstören und sich im Körper weiter ausbreiten.5

Gibt es Risikofaktoren für Blasenkrebs?

Neben dem höheren Lebensalter und dem männlichen Geschlecht gibt es weitere Faktoren, die Blasenkrebs fördern. Blasenkrebs kann aber selbst dann entstehen, wenn kein Risikofaktor bekannt ist.1345

  • Tabakrauchen ist der wichtigste Risikofaktor
  • Bestimmte Chemikalien, wie z. B. aromatische Amine
  • Bestimmte Medikamente, z. B. das Chemotherapeutikum Cyclophosphamid, das Schmerzmittel Phenazetin sowie das Diabetes-Medikament Pioglitazon
  • Wiederholte oder chronische Blasenentzündungen mit Schädigung der Blasenschleimhaut
  • Nach einer Strahlenbehandlung im Bereich des Beckens, z. B. bei Prostatakrebs
  • Genetische Erkrankungen, die das Risiko für Tumorerkrankungen erhöhen, z. B. das Lynch-Syndrom

Berufsgruppen mit erhöhtem Risiko
Bei manchen Berufsgruppen ist das Risiko für Blasenkrebs erhöht. Dazu gehören Menschen, die mit bestimmten chemischen Stoffen oder Verbrennungsprodukten Kontakt haben, z. B. Maler:innen und Lackierer:innen, Straßenbauarbeiter:innen, Schornsteinfeger:innen, aber auch Menschen, die in der chemischen oder pharmazeutischen Industrie arbeiten.
Blasenkrebs kann in solchen Fällen als Berufskrankheit anerkannt werden. Häufig kommt es lange Zeit nach Kontakt mit den giftigen Stoffen zur Entstehung von Blasenkrebs.12345

Blasenkrebs erkennen

Anzeichen und Symptome von Blasenkrebs

Leider gibt es keine sicheren Hinweise auf Blasenkrebs. Anfangs verursacht die Erkrankung häufig keine Beschwerden oder sehr allgemeine und unspezifische Symptome, die man auch bei anderen Erkrankungen der Blase und der Harnwege findet.235 Bei Frauen denkt man vielleicht eher an eine Blasenentzündung, bei Männern an Prostataprobleme.2

Die häufigsten Symptome bei Blasenkrebs sind235

  • Erste Warnhinweise können Blut im Urin, meist ohne Schmerzen, und Beschwerden beim Harnabsatz, wie verstärkter Harndrang (mit jeweils nur geringen Harnmengen) und Blasenentleerungsstörungen sein. Auch Gefühle einer Blasenentzündung können auftreten.
  • Bei weiter fortgeschrittener Erkrankung können Schmerzen im unteren Bauch, in der Nierengegend sowie Knochenschmerzen auftreten.
  • Auch Fieber, Nachtschweiß und Gewichtsverlust können bei fortgeschrittenen Krebserkrankungen auftreten.
Im Frühstadium sind die Symptome des Blasenkarzinoms meist unspezifisch und nicht eindeutig.

Gehen Sie möglichst bald zu Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt, wenn Sie Blut im Urin bzw. eine rötliche oder bräunliche Verfärbung des Urins oder Beschwerden beim Wasserlassen bemerken.

Wie wird Blasenkrebs diagnostiziert

Anamnese und körperliche Untersuchung

Bei einem Verdacht auf ein Harnblasenkarzinom wird Sie Ihre Ärztin oder Ihr Arzt zuerst genau nach Ihren Beschwerden und Ihrer Krankengeschichte fragen. Dazu gehören auch Fragen, ob Sie rauchen, ob Sie bestimmte Schmerzmittel eingenommen haben oder früher (beruflich) Kontakt mit verschiedenen Chemikalien hatten. Im Anschluss erfolgt eine gründliche körperliche Untersuchung.

Urinuntersuchung

Der frische Urin wird auf das Vorhandensein von Krebszellen und Blut untersucht.

Ultraschalluntersuchung (Sonografie)

Mit der Sonografie der ableitenden Harnwege und der Blase können die Ärzt:innen sehen, ob ein Harnstau vorliegt oder ob möglicherweise Harnsteine die Ursache für das Blut im Urin sein können.

Blasenspiegelung (Zystoskopie)

Mit der Zystoskopie, einer schmerzlosen Untersuchung, können die Ärzt:innen die Blase von innen sehen. Dazu wird ein kleines Endoskop mit einer Kamera an der Spitze unter örtlicher Betäubung durch die Harnröhre in die Blase eingeführt. Die von der Kamera aufgenommenen Bilder werden auf einen Monitor übertragen, so können die Ärzt:innen Schleimhautveränderungen sehen.
Bei der Blasenspiegelung werden Gewebeproben (Biopsien) für die histologische Untersuchung entnommen. Kleinere tumorverdächtige Veränderungen können sogar während einer Blasenspiegelung vollständig entfernt werden. Dieses Verfahren nennt man transurethrale Resektion des Blasengewebes, abgekürzt TUR-B oder auch nur TUR.
Bei nicht-invasivem Blasenkrebs, d. h. auf die Schleimhaut begrenztem Blasenkrebs, ohne Risikofaktoren werden keine weiteren Untersuchungen durchgeführt.2345

Magnetresonanztomografie (MRT)

Im MRT können sich Hinweise auf ein Blasenkarzinom finden lassen, z. B. eine Verdickung der Blasenwand. Durch eine besondere Technik, die als „multiparametrisches MRT“ bezeichnet wird, kann untersucht werden, wie weit das Blasenkarzinom bereits schon fortgeschritten ist, und ob es bereits in die Blasenmuskulatur eingedrungen ist.4

Weitere Untersuchungen

Wenn der Verdacht besteht, dass der Blasenkrebs in die Blasenmuskulatur eingewachsen ist oder ein erhöhtes Rückfallrisiko vorliegt, können weitere Untersuchungen notwendig sein. Sie dienen dazu festzustellen, ob oder wie weit sich der Krebs ausgebreitet hat.2345

Hierzu zählen unter anderem:

  • Laboruntersuchungen des Blutes
  • Bildgebende Untersuchungen wie Computertomografie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT) und Röntgenuntersuchungen zur Darstellung der Harnausscheidung sowie des Bauch- und Brustraums und des Beckens
  • Bei Verdacht auf Hirnmetastasen erfolgt eine Computertomografie des Kopfes, bei Verdacht auf Knochenmetastasen eine Skelettszintigrafie (nuklearmedizinische Untersuchung des Skeletts).

Krankheitsverlauf

Welche Stadien von Blasenkrebs gibt es und wie ist der Verlauf?

Frauen
Infografik zur Verteilung der Blasenkrebsstadien bei Erstdiagnose (Frauen): 59 % muskelinvasiv, 27 % nicht-muskelinvasiv, 14 % metastasiert.

Prozentuale Verteilung der Tumorstadien bei Erstdiagnose (Frauen, Deutschland 2021 – 2023). Mod. nach RKI 20251

Männer
Infografik zur Verteilung der Blasenkrebsstadien bei Erstdiagnose (Männer): 50 % muskelinvasiv, 39 % nicht-muskelinvasiv, 11 % metastasiert.

Prozentuale Verteilung der Tumorstadien-Stadien bei Erstdiagnose (Männer, Deutschland 2021 – 2023). Mod. nach RKI 20251

Stadium entscheidet über die Wahl der Behandlung

Grundlage für die Definition des Tumorstadiums ist die Ausbreitung des Tumors, d. h. ob der Krebs auf die Schleimhaut beschränkt ist oder bereits in die Muskelschicht der Blasenwand oder sogar darüber hinaus in benachbarte Organe eingewachsen ist.2345

Grafische Darstellung einer Harnblase mit nicht muskelinvasivem Blasenkrebs.

Nicht-muskelinvasiver Blasenkrebs

Bei 27 % bzw. 39 % der Betroffenen wird Blasenkrebs im Frühstadium diagnostiziert, andere Berechnungen gehen sogar von bis zu 75 % aus. Frühstadium bedeutet, dass der Krebs auf die Blasenschleimhaut begrenzt ist und noch nicht in die darunter liegende Muskulatur der Blasenwand eingedrungen ist.14

Der nicht muskelinvasive Blasenkrebs ist in der Regel gut behandelbar und das Ziel der Therapie ist es, eine Heilung zu erreichen. Dafür muss der Krebs vollständig mittels TUR aus der Harnblase entfernt werden. Jedoch besteht das Risiko, dass es zu einem Rückfall kommt oder die Erkrankung zu einem muskelinvasiven Blasenkarzinom fortschreitet (Progression).345 Dieses Risiko hängt u. a. von der Anzahl und Ausdehnung der vorliegenden Tumoren und der Aggressivität des Tumors (Grading) ab. Auf dieser Grundlage werden die Patient:innen in 3 Risikogruppen eingeteilt, nach denen sich die Wahl der Behandlung richtet: niedriges (low risk), mittleres (intermediate risk) und hohes Risiko (high risk).34

Grafische Darstellung einer Harnblase mit muskelinvasivem Blasenkrebs, der die Blasenwand durchbrochen hat.

Muskelinvasiver Blasenkrebs

Krebs, der bereits in die Muskelschicht der Harnblasenwand eingewachsen ist, wird als muskelinvasiver Blasenkrebs bezeichnet. In diesem Stadium kann der Krebs auch schon die Blasenwand durchbrochen und sich auf Nachbarorgane ausgebreitet haben.
Auch beim muskelinvasiven Harnblasenkrebs erfolgt eine weitere Einteilung nach Aggressivität des Tumors (niedriges - höchstes Risiko).3 In diesem Stadium müssen die Ärzt:innen die Harnblase meistens komplett entfernen und eine künstliche Harnableitung schaffen. Auch das vom Krebs betroffene angrenzende Gewebe muss entfernt werden.2345 In besonderen Fällen können die Ärzt:innen die Blase bei muskelinvasivem Blasenkrebs erhalten. Dies sind beispielsweise hochbetagte Patient:innen mit einem hohen Operationsrisiko bei radikaler Blasenentfernung oder Patient:innen, die eine Erhaltung der Blase wünschen. Sie erhalten dann eine TUR und anschließend eine kombinierte Strahlen- und Chemotherapie (Radiochemotherapie).34

Grafische Darstellung einer Harnblase mit metastasierendem Blasentumor.

Metastasierter Blasenkrebs

Im metastasierten (oder metastasierenden) Stadium hat der Krebs „gestreut“. Krebszellen sind über die Blut- und Lymphbahnen in andere, entfernte Organe eingedrungen: in Lymphknoten, Leber, Lunge oder die Knochen, seltener auch ins Gehirn. Dort wachsen sie und bilden Tochtergeschwülste, sogenannte Metastasen. In diesem Stadium kann der Blasenkrebs nicht mehr komplett entfernt und geheilt werden. Mit Medikamenten und Strahlentherapie können die Beschwerden jedoch verringert und die Erkrankung für einige Zeit kontrolliert werden.2345

Wie sind die Heilungsaussichten beim Blasenkarzinom? Ist Blasenkrebs heilbar?

Die Prognose von Patient:innen mit Blasenkrebs hängt in erster Linie vom Stadium und der Aggressivität (Grading) des Tumors ab, des Weiteren von Alter, Allgemeinzustand und Geschlecht sowie von Begleiterkrankungen.4 Mit der Entwicklung zielgerichteter Therapien könnte auch der Nachweis bestimmter Biomarker in Zukunft Aussagen über die Prognose zulassen. Als möglicherweise relevant diskutiert werden für invasive Blasentumoren unter anderem Mutationen in den Genen FGFR, CDKN2A, PPARG, ERBB2, E2F3, TP53 und RB1. Diese Gene sind auf verschiedene Weise an der Regulation des Wachstums, der Differenzierung und der Vermehrung von Blasenkrebszellen beteiligt. Im Falle einer Mutation können sie ihre Aufgaben nicht mehr korrekt erfüllen.467 Der Nachweis von Biomarkern könnte den Ärzt:innen dabei helfen, die Eigenschaften einer Krebserkrankung besser zu verstehen und gegebenenfalls die Behandlung noch individueller auf die einzelne Patientin oder den einzelnen Patienten zuzuschneiden. Fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, ob eine Biomarker-Bestimmung in Ihrem Fall sinnvoll ist.

Prognose von Patient:innen mit Blasenkrebs

Im Frühstadium (nicht-muskelinvasiver Blasenkrebs) ist die Prognose am besten, hier sind nach 5 Jahren noch 74 % der erkrankten Frauen und 80 % der erkrankten Männer am Leben. In höheren Stadien nimmt der Anteil der Patient:innen ab, die nach 5 Jahren noch leben.1

Balkendiagramm zum relativen 5-Jahres-Überleben bei Blasenkrebs: Darstellung nach Tumor-Stadium (I-IV) und Geschlecht (Männer in Grau, Frauen in Rot)

Relatives 5-Jahres-Überleben nach UICC-Stadium und Geschlecht (Deutschland 2021 – 2023). Mod. nach RKI 20251

Behandlung und Nachsorge von Blasenkrebs

Wie wird Blasenkrebs behandelt?

Piktogramm Individuelle Behandlung: Mensch in Hand

Individuelle Behandlung je nach Patient:in und Situation

Die Behandlung des Harnblasenkarzinoms richtet sich danach, wie weit sich der Krebs schon ausgebreitet hat (Tumorstadium), der Aggressivität des Tumors (Grading) und dem Risiko eines Rückfalls oder der Progression.

Neben dem Alter und dem allgemeinen Gesundheitszustand werden selbstverständlich auch die Wünsche der Patient:innen bei der Therapieentscheidung berücksichtigt.2345

Grafische Darstellung der Blasenkrebs-Behandlung in den einzelnen Stadien.
Behandlung des nicht-muskelinvasiven Blasenkarzinoms

Das Behandlungsziel bei nicht invasiven Blasenkarzinomen ist die Heilung. Auf die Blasenschleimhaut begrenzte oberflächliche Blasentumoren können häufig endoskopisch im Rahmen einer Zystoskopie entfernt werden. Man nennt diesen Eingriff transurethrale Resektion der Blase (TUR, TUR-B). Die Blase bleibt dabei erhalten. Nach dem Eingriff erfolgt eine örtliche (lokale) Behandlung – Blasenspülung(en) mit Chemotherapie-Medikamenten oder Medikamenten, die das Immunsystem anregen, um das Rückfallrisiko zu senken.2345

Behandlung des muskelinvasiven Blasenkarzinoms

Bei muskelinvasivem Blasenkrebs sind die Krebszellen schon in die tieferen Schichten der Blasenwand eingewachsen oder haben diese sogar durchbrochen und sich auf benachbarte Gewebe und Organe ausgebreitet. Auch bei muskelinvasivem Blasenkrebs zielt die Behandlung auf Heilung ab. In diesem Stadium wird i. d. R. die Harnblase komplett entfernt, einschließlich der benachbarten Gewebe und Organe (radikale Zystektomie). Zur Senkung des Rückfallrisikos erhalten die Patient:innen oft zusätzlich eine Chemotherapie – entweder vor der Operation (neoadjuvante Chemotherapie) oder nach der Operation (adjuvante Chemotherapie). Zunehmend werden auch immunonkologische Wirkstoffe für die adjuvante Therapie eingesetzt.2345

Behandlung im metastasierten Stadium

Wenn der Blasenkrebs sich auf andere, weiter entfernte Organe ausgebreitet hat, ist eine Heilung nicht mehr wahrscheinlich. Mit der medikamentösen Behandlung – Chemotherapie, immunonkologische und zielgerichtete Therapien – versuchen die Ärzt:innen jetzt, die Erkrankung zu kontrollieren, Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität möglichst lange zu erhalten.2345

Welche Behandlungsverfahren kommen zum Einsatz?

Um die Behandlung von Patient:innen mit fortgeschrittenem Blasenkrebs bestmöglich zu planen, sollte sie in einem Team aus Ärzt:innen verschiedener Fachrichtungen besprochen werden, der sogenannten Tumorkonferenz.2345

Piktogramm TUR: Blase mit Blasenkrebs, durch die Heingeführte Schlinge zur Entfernung des Blasentumors.

Im Frühstadium: transurethrale Resektion von Blasengewebe (TUR, TUR-B)

Die transurethrale Resektion von Blasengewebe (TUR, TUR-B) ist Teil der Diagnostik der Blasenkarzinome. Bei kleineren Blasentumoren, die auf die Blasenschleimhaut begrenzt sind, kann sie auch gleichzeitig die Behandlung darstellen: Wenn das Tumorgewebe noch nicht in die tieferen Schichten der Blasenwand eingewachsen ist, kann es mit der TUR während einer Blasenspiegelung entfernt werden.

Die TUR-B wird in Narkose durchgeführt. Die Ärzt:innen führen durch die Harnröhre ein Endoskop in die Blase ein und tragen den Tumor unter Sicht mit einer Elektroschlinge ab. Das Tumorgewebe wird histologisch untersucht, um zu beurteilen, ob die Schnittränder frei von Krebszellen sind, wie aggressiv ihr Wachstum ist und welche weiteren Charakteristika sie aufweisen.

Manchmal ist eine zweite TUR, eine sog. Nachresektion, erforderlich, um das Rückfall- oder Progressionsrisiko zu verringern, u. a. wenn die Schnittränder nicht sicher frei von Krebszellen sind oder der Tumor ein besonders aggressives Wachstum aufweist. Die Nachresektion wird 6 Wochen nach der ersten TUR durchgeführt.2345

Piktogramm Instillationstherapie: Harnblase halb mit Flüssigkeit gefüllt, die aus einem Infusionsbeutel über Schlauch/Katheter in die Blase fließt.

Kann einem Rückfall vorbeugen: lokale Chemo- und Immuntherapie (Instillationstherapie)

Um das Risiko für einen Rückfall zu verringern, wird nach der TUR eine sogenannte Instillationstherapie empfohlen. Dazu wird über einen Blasenkatheter ein Zytostatikum oder ein Medikament, das die Immunabwehr anregen soll (BCG, Bacillus Calmette-Guérin), in die Blase eingebracht. Häufigkeit und Dauer der Instillationstherapie sind abhängig vom individuellen Rückfallrisiko.2345

Piktogramm chirurgische Entfernung der Blase: Harnblase und Skalpell.

Operation: Entfernung der Harnblase (Zystektomie)

Beim muskelinvasiven Harnblasenkrebs wird in den meisten Fällen die Blase mitsamt den zugehörigen Lymphknoten sowie benachbarten Geweben und Organen entfernt (radikale Zystektomie). Bei Frauen werden i. d. R. Teile der Scheidenwand sowie Eierstöcke, Eileiter und Gebärmutter, bei Männern die Prostata und die Samenblasendrüsen mitentfernt.2345

Im metastasierten Stadium besteht die Möglichkeit einer Zystektomie zur Linderung von Beschwerden.2345

Die radikale Blasenentfernung kann heute auch als sog. Schlüsselloch-Operation (minimal-invasiv; häufig roboterassistiert) durchgeführt werden. Dabei ist kein einzelner großer Bauchschnitt nötig, sondern mehrere kleine, über die Kamera und Instrumente in den Bauchraum eingeführt werden.4
Gleichzeitig mit der Entfernung der Harnblase muss eine neue Möglichkeit der Harnableitung geschaffen werden.345

Nebenwirkungen und Komplikationen der Zystektomie
Bei der Zystektomie können Nebenwirkungen auftreten. So kann es wie bei anderen Operationen u. a. zu Blutungen, Wundinfektionen, Herz-Kreislauf-Problemen oder Blutgerinnseln (Thrombosen) kommen.
Direkt mit der Entfernung der Blase im Zusammenhang stehen Probleme mit der künstlichen Harnableitung, außerdem Zeugungsunfähigkeit und Erektionsprobleme bei Männern. Wenn bei Frauen im gebärfähigen Alter die Gebärmutter und die Eierstöcke entfernt werden, können sie keine Kinder mehr bekommen. Mit der Entfernung der Eierstöcke kommt es zu Wechseljahresbeschwerden.345

Piktogramm künstliche Harnableitung: Harnblase halb mit Flüssigkeit gefüllt, die durch einen Schlauch nach außen geleitet wird.

Künstliche Harnableitung nach Harnblasenentfernung

Wenn die Harnblase entfernt wird, schaffen die Operateur:innen bei der Zystektomie eine neue Möglichkeit, den Harn zu sammeln und aus dem Körper auszuleiten. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten. Ihr Behandlungsteam wird diese mit Ihnen besprechen und zusammen mit Ihnen das für Sie passende Vorgehen auswählen:

Bei der trockenen oder kontinenten Harnableitung wird der Harn in einem neu geschaffenen Reservoir im Körper gesammelt und von da abgeleitet. Die Patient:innen können bei dieser Form der Harnableitung den Harnabgang mehr oder weniger selbst kontrollieren, jedoch spüren sie nicht, wann die Ersatzblase voll ist. Zu den trockenen Harnableitungen gehören2345

  • die Neoblase: Sie wird aus einen Darmstück gebildet und mit Harnleitern und Harnröhre verbunden.
  • der Pouch: Dieser wird ebenfalls aus Darmgewebe geformt wie die Neoblase, der Urin wird jedoch über einen künstlichen Blasenausgang (Stoma) in der Bauchdecke abgeleitet.
  • die Harnableitung über den Enddarm: Hierbei werden die Harnleiter an den Enddarm angeschlossen. Der Urin wird dadurch in den Enddarm eingeleitet und zusammen mit dem Stuhl ausgeschieden.

Bei der nassen oder inkontinenten Harnableitung dagegen fließt der Urin kontinuierlich aus den Harnleitern zu einer Öffnung in der Bauchdecke in einen Beutel. Auch hier gibt es 2 Möglichkeiten:2345

  • das Conduit: Die Harnleiter werden mit einem Stück aus dem Dünndarm (Ileum) oder Dickdarm (Colon) verbunden, welches wiederum mit der Haut verbunden ist. Der Urin fließt dann über die Bauchdecke in einen Urinbeutel (Stomabeutel).
  • die Harnleiter-Haut-Fistel: Die Harnleiter werden mit der Bauchdecke eingenäht und der Urin fließt direkt aus den Harnleitern in einen Stomabeutel.

Risiken und Komplikationen der künstlichen Harnableitung
Bei der künstlichen Harnableitung sind verschiedene Komplikationen möglich, beispielsweise Inkontinenz oder Entleerungsprobleme bei einer Neoblase oder einem Pouch, Harnwegsinfektionen, Hautveränderungen im Bereich des Stomas, Schleimbildung in der Neoblase, Vernarbungen und Verengungen und weitere Komplikationen wie Fieber, Harnstein-Bildung, Veränderungen des Säure-Basen-Haushalts oder ein sogenanntes Kurzdarm-Syndrom.345

Wichtig zu wissen!

Der Umgang mit einer künstlichen Harnableitung muss erlernt und trainiert werden. Ihr Behandlungsteam wird Sie unterstützen, damit Sie sich schnell an die neue Situation und die Anforderungen, die durch die künstliche Harnableitung auf Sie zukommen, gewöhnen.
Auch der Austausch mit anderen Betroffenen in einer Selbsthilfegruppe, die bereits Erfahrungen mit einer künstlichen Harnableitung gesammelt haben, kann Ihnen weiterhelfen.

Piktogramm Chemotherapie: Mensch mit Infusion.

Chemotherapie

Häufig empfehlen Ärzt:innen Patient:innen mit Blasenkrebs eine Chemotherapie – entweder unterstützend als neoadjuvante oder adjuvante Chemotherapie für den Fall, dass durch die Operation nicht alle Krebszellen entfernt werden konnten, oder zur Linderung und Kontrolle von Beschwerden, wenn der Krebs bereits gestreut und Tochtergeschwülste in anderen Organen gebildet hat.2345

Chemotherapie bei muskelinvasivem Blasenkrebs
Bei Patient:innen mit muskelinvasivem Blasenkrebs sollte eine Chemotherapie vor der Operation (neoadjuvante Chemotherapie) oder - falls nicht anders möglich - danach (adjuvante Chemotherapie) erwogen werden, um Krebszellen im Körper abzutöten. Ärzt:innen empfehlen in der Regel eine Kombinationschemotherapie, von denen einer der Wirkstoffe nach Möglichkeit ein Platin-Abkömmling sein sollte (platinbasierte Chemotherapie ). Welche weiteren Wirkstoffe kombiniert oder als Einzelbehandlung eingesetzt werden, entscheiden die Ärzt:innen individuell nach dem Allgemeinzustand der Patient:innen.345

Chemotherapie bei metastasiertem Blasenkrebs
Bei metastasiertem Harnblasenkarzinom ist im Allgemeinen keine Heilung mehr möglich. Hier hat die Chemotherapie das Ziel, Beschwerden zu lindern, das Fortschreiten der Krankheit zu verzögern und das Überleben bei guter Lebensqualität zu verlängern. Man nennt das „palliative“ Therapie.345

Piktogramm Immunonkologie: Mensch und Injektionsspritze.

Immunonkologische Therapie beim Harnblasenkarzinom

Seit einigen Jahren besteht für Patient:innen mit muskelinvasiven oder metastasierten Blasenkarzinomen die Möglichkeit einer immunonkologischen Therapie mit Checkpoint-Inhibitoren, wenn ihre Krebszellen einen bestimmten Biomarker (PD-L1) aufweisen. Checkpoint-Inhibitoren aktivieren das Immunsystem zur Bekämpfung der Tumorzellen. Diese Medikamente werden als adjuvante Therapie nach einer Entfernung der Blase eingesetzt sowie bei metastasierten Blasenkarzinomen.34

Piktogramm zielgerichtete Therapie: Zielscheibe und Pfeil.

Innovative zielgerichtete Therapien

Bei Patient:innen mit metastasiertem Blasenkarzinom sind seit kurzer Zeit neuartige Medikamente zugelassen und empfohlen, zum Beispiel Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADC). Sie bestehen aus einem Antikörper, der gezielt an eine Krebszelle bindet. An den Antikörper ist ein Chemotherapie-Medikament, ein sog. Zytostatikum, gekoppelt, das die Krebszellen gezielt zerstört. So werden gesunde Körperzellen weniger beeinträchtigt.348
ADC sind bereits bei einigen Krebserkrankungen im Einsatz, weitere werden erforscht.
Lesen Sie mehr über zielgerichtete Therapien und Präzisionsmedizin.

Weitere Behandlungen bei Blasenkrebs

Behandlung von Knochenmetastasen

Wenn sich das Blasenkarzinom in einem späten Stadium auf die Knochen ausgebreitet hat, können Knochenbrüche und Schmerzen auftreten. Bei Beschwerden durch Knochenmetastasen kann Ihr Behandlungsteam Ihnen verschiedene Behandlungen anbieten: Schmerzmedikamente, Bestrahlung oder Operation der Metastasen, Medikamente zur Stärkung des Knochens.34

Entfernung der Blase bei Beschwerden

Wenn das Blasenkarzinom stark in seine Umgebung eingewachsen ist, können massive örtliche Beschwerden die Folge sein – Rückstau des Harns bis in die Nieren, Schmerzen, Blutungen oder auch Fisteln zwischen Blase und Darm. Wenn die Beschwerden trotz anderer Maßnahmen nicht erfolgreich gebessert werden, können Ihre Ärzt:innen die Blase entfernen, wenn Ihr Gesundheitszustand den Eingriff zulässt.345

Supportivtherapie

Eine Krebserkrankung belastet den Körper massiv – ebenso wie ihre Behandlung. Mit einer unterstützenden Therapie (Supportivtherapie) behandeln die Ärzt:innen die allgemeinen Auswirkungen der Krebserkrankung wie Müdigkeit oder Schmerzen und die Folgen der Krebsbehandlung.345

Palliative Behandlung am Lebensende

Ist der Blasenkrebs so weit fortgeschritten, dass er nicht mehr heilbar ist, kann die palliative Behandlung die Patient:innen begleiten und ihnen in der ihnen verbleibenden Zeit ein gutes Leben ermöglichen. Hauptziel der palliativmedizinischen Begleitung ist es, die Lebensqualität der Patient:innen, aber auch die ihrer Angehörigen und Nächsten zu erhalten und zu verbessern. Sie soll vordringlich körperliche Beschwerden lindern, insbesondere Schmerzen, und sich daneben der seelischen und sozialen Probleme der Patient:innen annehmen.345

Lesen Sie hier mehr zur Palliativmedizin am Lebensende.

So geht es nach der Behandlung weiter: Nachsorge nach der Blasenkrebsbehandlung

Wenn die Behandlung abgeschlossen ist, werden Ihre Ärzt:innen Sie regelmäßig nachuntersuchen. Die Nachsorge findet anfangs in kürzeren, mit der Zeit in längeren Abständen statt. Bitte nehmen Sie die Untersuchungstermine auf jeden Fall wahr, denn die Nachsorgeuntersuchungen helfen dabei, einen Rückfall oder eine Progression sowie Behandlungsfolgen frühzeitig zu erkennen.345

Häufigkeit und Abstände sowie angewendete Verfahren der Nachsorgeuntersuchungen orientieren sich am Krankheitsstadium sowie am Rückfallrisiko der Patient:innen. Die wichtigste Nachsorgeuntersuchung ist die Blasenspiegelung. Zur Nachsorge gehören zusätzlich Urin- und Blutuntersuchungen sowie bei hohem Risiko bzw. bei muskelinvasivem Harnblasenkarzinom auch bildgebende Verfahren.34

Rehabilitation

Die Belastungen durch eine Krebserkrankung und die Behandlung sind immens. Körperlich und seelisch wird den Betroffenen sehr viel abverlangt. So kann die Therapie eines Harnblasenkarzinoms zu Beeinträchtigungen führen, die das ganze weitere Leben verändern. Eine onkologische Rehabilitation („Reha“) kann Ihnen dabei helfen, die Folgen der Krebserkrankung sowie der Krebstherapie zu verringern. Die Ziele einer onkologischen Reha werden dabei ganz auf Ihre persönlichen Bedürfnisse abgestimmt. Deswegen sollten Sie am besten eine Reha-Klinik mit Expertise bei urologischen Krebserkrankungen, insbesondere Blasenkrebs auswählen.

Ärztin und Pflegekraft im Gespräch mit einem älteren Patienten, der in einem Krankenhausbett liegt.

Im Zentrum der Rehabilitation stehen u. a.

  • Umgang mit Inkontinenz und mit der künstlichen Harnableitung nach Blasenentfernung
  • Sexuelle Probleme
  • Körperliche und seelische Folgen der Krebserkrankung und ihrer Behandlung
  • Unterstützung bei der Wiedereingliederung in den Beruf

Die Rehabilitation kann ambulant oder stationär erfolgen, sie ist auch als Anschlussrehabilitation gleich nach dem Krankenhausaufenthalt sinnvoll und möglich. Was für Sie in Frage kommt, hängt von Ihrem körperlichen Zustand nach dem Krankenhausaufenthalt und der Erreichbarkeit ambulanter Reha-Einrichtungen ab. Die Sozialdienste der Krankenhäuser unterstützen Sie bereits während Ihres stationären Aufenthalts bei der Stellung des Reha-Antrags.259

Leben mit Harnblasenkrebs

Krebs verändert das Leben der Betroffenen schlagartig. Auch das Leben ihrer Angehörigen und Freunde. Geben Sie sich Zeit, mit der neuen Situation zurechtzukommen und zu lernen, mit der Krebserkrankung umzugehen. Auch Wissen hilft dabei, die Erkrankung und ihre Folgen zu bewältigen.
Grundsätzlich haben Krebspatient:innen und ihre Angehörigen einen Anspruch auf psychoonkologische Unterstützung. Die Krankenkassen übernehmen in der Regel die Kosten dafür. Fragen Sie Ihr Behandlungsteam danach.

Spezielle Probleme bei Blasenkrebs

Nach Entfernung der Blase und Anlage der künstlichen Harnableitung kann es zu einer Reihe von Belastungen kommen: Inkontinenz, Harnwegsinfektionen, Erektionsprobleme, Veränderungen des Körperbilds, Schädigung der Haut im Bereich des Urostomas, möglicherweise Harnsteinbildung, Störung des Säure-Basen-Haushalts, Vitamin-B-Mangel. Sie haben Auswirkungen auf das Berufsleben, Freizeitaktivitäten, das Sexualleben, die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben, aber auch auf Ernährung oder Sport. Manchmal könne die Belastungen sogar bis zu einer Depression führen.5
Bitte denken Sie daran: Sie sind nicht allein mit Ihren Problemen! Wenden Sie sich vertrauensvoll an Ihr Behandlungsteam. Auch weitere Fachleute wie Psychotherapeut:innen, Paar- und Sexualtherapeut:innen, Stomatherapeut:innen, Ernährungsberater:innen können Ihnen im Einzelfall weiterhelfen.5

Selbsthilfe-Bund Blasenkrebs e.V.

Thomas-Mann-Straße 40 53111 Bonn
Telefon: 0228 33889150
E-Mail: info@blasenkrebs-shb.de
Internet: www.blasenkrebs-shb.de

Hilfreicher Kontakt mit anderen Betroffenen: Selbsthilfe

Auch Selbsthilfe-Organisationen wie der Selbsthilfe-Bund Blasenkrebs e. V. können Ihnen helfen, mit den Belastungen durch Blasenkrebs und seine Behandlung zurechtzukommen. In Selbsthilfegruppen bleiben Sie mit Ihren Fragen und Problemen nicht allein, sondern können sich mit ebenfalls Betroffenen austauschen.

Wo Sie eine Selbsthilfegruppe in Ihrer Nähe finden, können Sie unter www.blasenkrebs-shb.de/selbsthilfe oder telefonisch unter 0228 33889150 erfragen.

Fortschritte in der Blasenkrebstherapie


Präzisionsmedizin und aktuelle Forschung

Die Forschung im Bereich der Erkennung und Behandlung von Krebserkrankungen entwickelt sich rasant. Von dieser Entwicklung profitieren auch Patient:innen mit Blasenkrebs. In den letzten Jahren wurden neue Behandlungsmöglichkeiten entdeckt, die die Versorgung und nicht zuletzt die Heilungschancen von Betroffenen verbessern können. Dazu zählen etwa zielgerichtete Therapien wie Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADC) und Immuntherapien, aber auch bestimmte Operationen oder die Strahlentherapie.

Die Teilnahme an einer klinischen Studie kann für Patient:innen eine Option sein, wenn etablierte Therapien nicht mehr oder nicht ausreichend wirken. In klinischen Studien werden neue Behandlungsansätze untersucht. Dabei erhalten Teilnehmende Zugang zu Prüfmedikationen und leisten gleichzeitig einen Beitrag zum medizinischen Fortschritt. Eine Teilnahme an der Studie könnte potenziell einen positiven Einfluss auf die Prognose haben.

Die Präzisionsmedizin ist auf dem Weg, die Behandlung von Krebserkrankungen weiter zu verbessern. Das Grundprinzip lautet: Wende die passende Behandlung zum richtigen Zeitpunkt bei dem/der passenden Patient:in an. Diese Herangehensweise beruht auf den genetischen und molekularen Eigenschaften eines jeden einzelnen Tumors und individueller patient:innenspezifischer Faktoren. Anstatt alle Betroffenen gleich zu behandeln, können Ärztinnen und Ärzte durch präzise Analysen besser einschätzen, welche Behandlung für die spezifischen Merkmale einer Person geeignet sein kann.410

Piktogramm Traditionelle Medizin: Lupe mit Menschen
Traditionelle Medizin

Bestrahlung: Hochenergetische Strahlen zerstören Krebszellen
Chemotherapie: Medikamente greifen Krebs an
Chirurgie: Operation entfernt oder verkleinert Krebs

Piktogramm Präzisionsmedizin: Lupe mit Plus-Symbol
Präzisionsmedizin/
personalisierte Behandlung

Molekularbiologie: Erkennt krebsverursachende Gene und Biomarker
Immuntherapien: Personalisierte Behandlung durch Aktivierung von Immunzellen
Zielgerichtete Therapien: Blockieren krebsspezifische Strukturen

Dabei kann Präzisionsmedizin nicht nur dazu beitragen, den Krankheitsverlauf abzuschätzen und die Behandlung zu verbessern, sondern auch potenzielle Nebenwirkungen zu minimieren. Diese individuellen Merkmale sind z. B. bestimmte Eiweiße, die in Körperflüssigkeiten wie Urin oder Blut gemessen werden oder Veränderungen von Erbmaterial im Tumor selbst, die den charakteristischen „Fußabdruck“ dieses einen Tumors umschreiben.410
Insgesamt erhofft man sich, dass die Präzisionsmedizin auch für Patient:innen mit Blasenkrebs eine maßgeschneiderte und wirksame Behandlung ermöglicht, die nicht nur die Überlebensaussichten verbessert, sondern auch die Lebensqualität erhöht.

Häufig gestellte Fragen zu Harnblasenkarzinom

Welche Ärzt:innen behandeln Blasenkrebs?

Bei der Diagnostik und Behandlung Ihres Blasenkarzinoms arbeiten Ärzt:innen verschiedener Fachrichtungen eng zusammen: Hausärzt:innen, Urolog:innen, Patholog:innen, Radiolog:innen (Röntgenärzt:innen), Strahlentherapeut:innen, Onkolog:innen, Rehabilitationsmediziner:innen, außerdem Psychoonkolog:innen.45

Blutuntersuchungen werden zur Entdeckung von Blasenkrebs nicht empfohlen, da es keine für Blasenkrebs typischen Veränderungen gibt. Im Blut gibt es bislang auch keine aussagekräftigen Tumormarker, die auf Blasenkrebs hinweisen könnten.45

Seit einigen Jahren kann das fortgeschrittene und metastasierte Blasenkarzinom in bestimmten Fällen immunonkologisch mit Checkpoint-Inhibitoren behandelt werden.34 Darüber hinaus wird an Substanzen geforscht, die gezielt gegen Eigenschaften der Blasenkrebszellen wirken, in die Kommunikation der Krebszellen eingreifen oder die ein Chemotherapie-Medikament gezielt zu den Krebszellen transportieren, wie z. B. Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADC).8

Blasenkrebs wächst im Allgemeinen langsam. Oft dauert es Jahre bis die ersten Anzeichen auftreten.2345

Ärzt:innen können mit einem Teststreifen Urin auf Blutspuren untersuchen: Bei Beschwerden/Problemen im Bereich der Blase oder der Harnwege sollte jedoch eine Urologin/ein Urologe aufgesucht werden.
Kommerziell verfügbare Urintests eignen sich nicht zur Diagnose eines Harnblasenkarzinoms.4

Einige Faktoren können das Risiko für Blasenkrebs erhöhen. Der wichtigste Risikofaktor ist Tabakrauchen. Nicht zu rauchen oder mit dem Rauchen aufzuhören kann das Risiko für Blasenkrebs senken. Auch bestimmte chemische Stoffe können das Risiko für Blasenkrebs erhöhen. Dazu gehören z. B. aromatische Amine, mit denen Menschen in einigen Berufsgruppen häufiger in Kontakt kommen. Die Vermeidung solcher krebserregenden Stoffe kann ebenfalls dazu beitragen, das Risiko für Blasenkrebs zu senken.45

Eine besondere „Diät“ bei Blasenkrebs gibt es nicht. Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse und Obst, Vollkornprodukten, pflanzlichen Fetten tut allen gut – auch Krebspatient:innen.41011
Achten Sie insbesondere darauf, genügend Nährstoffe und Energie zu sich zu nehmen, um Ihren Körper während einer Krebstherapie optimal zu unterstützen und einem zu starken Gewichtsverlust vorzubeugen. Dafür kann es hilfreich sein, über den Tag verteilt kleine und eiweißreiche Snacks zu sich zu nehmen. Auch eine ausreichende Trinkmenge z. B. Wasser, Tee, Saftschorle ist wichtig. Manche Patient:innen können zur Vermeidung von Komplikationen von einer qualifizierten Ernährungsberatung profitieren, z. B. wenn sie nach einer Operation eine Ersatzblase bekommen haben.411

Lesen Sie mehr zur Ernährung bei Krebs

Ja, Johnson&Johnson führt klinische Prüfungen durch. Sind Sie an Blasenkrebs erkrankt oder begleiten Sie jemanden, der/die betroffen ist, und möchten sich über eine mögliche Teilnahme an einer klinischen Prüfung informieren, die aktuell durchgeführt wird? Kontaktieren Sie unser Partnerunternehmen für weiterführende Informationen Blasenkrebs - neue Möglichkeiten (Ansprechpartner: Dr. Mridul Agrawal | Geschäftsführer & Co-Founder iuvando Health GmbH | +49 (621) 6374 5501 | agrawal@iuvando.de).

Patientenorganisation

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