Kann man nach der Diagnose einer chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) wieder zurück in den Beruf gehen? „Ja!“ sagt Manuela Reinhardt. Sie erzählt davon, wie sie es geschafft hat wieder im Arbeitsleben Fuß zu fassen, und was ihr dabei besonders geholfen hat. Mit Mut und Entschlossenheit hat sie sogar eine große Veränderung gemeistert und dabei ihren eigenen Weg zu einem selbstbestimmten Leben gefunden.
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(00:25 - 02:07) Herzlich Willkommen zurück, Manuela! Erneute kurze Vorstellung und Zusammenfassung der vorherigen Folge.
(02:07 - 02:50) Einführung in das Thema: Zurück in den Beruf.
(02:50 - 04:39) Manuela erzählt, was sie vor der Erkrankung beruflich gemacht hat und wie sie sich unabhängig von ihrer CLL verändern wollte.
(04:39 - 07:09) Wie es nach der Diagnose für Manuela beruflich weiterging.
(07:09 - 11:30) Die ersten Schritte zurück in den Berufsalltag und was Betroffene selbst dafür tun können.
(11:30 - 13:46) Zurück im Beruf – Manuela über ihren Wunsch nach Veränderungen.
(13:46 - 15:30) Manuela erzählt von ihrer erfolgreichen Suche nach einem neuen Job.
(15:30 - 17:08) Welche Herausforderungen und positive Erfahrungen Manuela beim Widereinstieg gemacht hat.
(17:08 - 19:18) Manuela über ihren Arbeitsalltag.
(19:18 - 20:28) Was Manuela rückblickend anders machen würde.
(20:28 - 21:18) Manuelas Wünsche für die Zukunft.
(21:18 - 22:30) Zusammenfassung der Folge: Beruf und Krankheit können miteinander vereinbart werden.
(22:30) Verabschiedung.
Lars (00:00:01) Herzlich willkommen zu „Mein Krebsratgeber zum Hören”! Mein Name ist Lars Schmidtke und gemeinsam mit meinen Gästen sprechen wir offen und ehrlich über Krebs und das Leben mit Krebs. Hören Sie rein, wenn Sie persönliche Geschichten, aber auch einen Expertenrat zum Umgang mit der Erkrankung erfahren möchten. Unser Podcast ist mit Betroffenen für Betroffene.
Lars [00:00:25] In unserer heutigen Folge habe ich wieder Manuela zu Gast. Gemeinsam haben wir bereits in der letzten Folge über Manuelas Weg von den ersten Symptomen bis hin zum Beginn einer oralen Therapie gesprochen. Sie ist an CLL – der chronischen lymphatischen Leukämie – erkrankt. Eine der häufigsten Leukämie Formen bei Erwachsenen in der westlichen Welt. Und heute wollen wir darüber sprechen, wie Manuela den Weg zurück in den Beruf geschafft hat. Manuela, erst mal herzlich willkommen zurück. Ich freue mich sehr, dass wir heute wieder miteinander sprechen. Und zwar über ein Thema, das dich sehr bewegt. Schön, dass du da bist.
Manuela [00:01:02] Hallo Lars. Schön, dass wir heute wieder miteinander sprechen. Und ich freue mich auch sehr, dass wir eine neue Folge vom Podcast aufnehmen und hallo, liebe Hörer.
Lars [00:01:12] Ja, willkommen zurück, Manuela. In der letzten Folge haben wir uns darüber unterhalten, wie du die ersten Symptome der CLL bemerkt hast und wie es dann mit der Diagnose weiterging. Und nach dieser Diagnose solltest du ja eigentlich direkt eine Chemoimmuntherapie bekommen. Und du hast dir dann in der Uniklinik in Jena eine Zweitmeinung eingeholt und konntest somit diese Chemoimmuntherapie abwenden. Und heute erhältst du eine orale Therapie, mit der du ganz gut zurechtkommst. Also relativ positiv, so wie ich mich erinnern kann. Ja, wie geht es dir, Manuela?
Manuela [00:01:49] Ja, mir geht es sehr gut. Seit März 2021 habe ich die orale Therapie und ich tue sehr viel, um auf dem Stand zu bleiben, die Nebenwirkungen praktisch den Kampf anzusagen und den Stand zu halten oder zu verbessern.
Lars [00:02:07] Ich habe es ja bereits angekündigt. Heute wollen wir darüber sprechen, wie du es nach der Diagnose geschafft hast – und das ist dir, glaube ich, ein wichtiges Thema – in dein Beruf zurückzukehren, Manuela. Und da ist vielleicht auch noch ein Fakt über die CLL sehr spannend, denn die CLL gilt nach wie vor als eine typische Alterserkrankung, wo sich viele Menschen im Ruhestand über das Thema Beruf vielleicht gar nicht mehr so große Gedanken machen müssen. Allerdings stieg der Anteil der jüngeren Patient:innen und damit meine ich Personen unter 55 Jahren auf 20% an, das ist ein hoher Prozentsatz. Und genau zu diesen 20% zählst auch du, Manuela. Und ich kann mir vorstellen, für dich war es total wichtig, als es dir wieder etwas besser ging und die Therapie angeschlagen hat, zurück in den Beruf zu kommen, in den Berufsalltag. Das ist so, oder?
Manuela [00:03:03] Ja, das ist so, also ich hatte mir sehr viele Gedanken gemacht, wie es mit mir weitergeht und schon vor meiner Erkrankung. Ich war Einkäuferin in einem mittelständischen Industriebetrieb und hab dort Vollzeit gearbeitet und es war ein ziemlich stressiger Job. Aber ich habe den auch gut geschafft. Aber ich war selbst nicht mehr so richtig zufrieden und hab nach einer Möglichkeit gesucht, um mich selber weiterzuentwickeln.
Lars [00:03:35] Das heißt, du hast dort Vollzeit gearbeitet, also vor deiner Erkrankung? Und ich weiß ja nicht, wie viele Jahre warst du schon in diesem Betrieb?
Manuela [00:03:42] Ich war insgesamt 22 Jahre in dem Betrieb.
Lars [00:03:45] Okay.
Manuela [00:03:46] Und ich hatte da wirklich eine gute Stellung, hatte ich da gehabt.
Lars [00:03:51] Und du wolltest dich aber auch unabhängig von deiner Erkrankung sowieso verändern?
Manuela [00:03:57] Genau. Ich hatte die Idee, ich habe eine Ausbildung 2020 gemacht zum Ernährungscoach. Also neben meiner regulären Arbeit. Und die Vorgeschichte dazu ist ja, dass ich eine drohende Diabeteserkrankung abwenden konnte durch Ernährung, gesunde Ernährung. Und das hat mich so fasziniert, dass ich da selbst tätig werden wollte.
Lars [00:04:22] Das ist aber alles passiert quasi neben deiner beruflichen Vollzeittätigkeit?
Manuela [00:04:27] Neben meinem Beruf, ja.
Lars [00:04:27] Da hast du dich schon umorientiert, weil du gesagt hast: „Nein, ich möchte was verändern.” Aber da war die CLL noch gar nicht bekannt, also die war noch gar nicht auf dem Schirm?
Manuela [00:04:36] Nein, ich war völlig gesund eigentlich.
Lars [00:04:39] Ah, okay, gut. Und dann? Dann ist das ja passiert im Dezember 2020. Und dann mit der Diagnose, Januar 2021 mit der Diagnosestellung. Und ja, dann hat sich dein Leben ja komplett verändert. Und dir war es total wichtig, also ja, erst mal diese Therapie kennenzulernen und das Leben darauf einzustellen und das hat ja auch relativ gut funktioniert, aber dass du wieder zurück findest in den Beruf, ist das so?
Manuela [00:05:08] Genau, ich arbeite ja unwahrscheinlich gern und ich wollt auf jeden Fall wieder in den Beruf zurück und hatte trotzdem noch die Vorstellung, mich teilselbstständig zu machen als Ernährungscoach und ja.
Lars [00:05:21] Also daran hast du festgehalten, das willst du weitermachen?
Manuela [00:05:23] Daran habe ich festgehalten. Ich habe auch daran gearbeitet, mehrere Monate und habe Ideen entwickelt und dann ist es aber passiert, dass ich auf einmal da stand und so wie ein Burnout hatte. Ich war, ich habe gemerkt, ich bin überhaupt nicht mehr stressresistent. Ich konnte nicht mehr lesen, nicht mehr rechnen, nicht mehr schreiben. Es ging eigentlich gar nichts mehr. Und ich habe da auch so ein bisschen das Vertrauen in mich selbst und in meine, was ich überhaupt kann, verloren. Es war dann so, als die Therapie angeschlagen hat – dieses Medikament ist ja auch so, dass es ja den Körper gesundet. Aber mein Körper war ja viele Jahre dadurch, dass es ja chronisch ist, gar nicht mehr gewöhnt, so gesund zu sein. Also alles hat sich am Körper umgestellt und es hat sich dann auch eben bei mir so geäußert, dass ich mich schwer getan habe mit Zahlen und beim Schreiben und Lesen. Also das war sehr schwierig, das auch zu akzeptieren.
Lars [00:06:33] Ja, aber das hieß aber, den Wunsch, dass du wieder zum Arbeiten kommst, der ist aber nie weggegangen. Du warst dann ja wohl erst mal aus dem Beruf raus, aus dem aktiven Berufsleben und hast aber nach was Neuem gesucht?
Manuela [00:06:48] Genau. Ich habe natürlich gesucht. Ich wollte auf jeden Fall wieder arbeiten gehen. Also nur zu Hause, das ist nicht so mein Ding. Auch wenn man einen guten Tagesablauf sich erarbeitet hat und einem nicht langweilig ist. Aber trotzdem wollte ich wieder zurück in den Beruf und mich irgendwo einbringen. Und es hat mir dann auch wirklich geholfen–